20 Jahr Sozialladen – Rückschau und Bilanz

Am 2. Dezember 2000 eröffnete in der Hauptstraße 59 ein neues Geschäft: Der Sozialladen.

Die Anwesenheit der beiden Pfarrer Herr Gauß und Herr Dr. Utz brachte zum Ausdruck, dass er unter der Schirmherrschaft von beiden Aulendorfer Kirchengemeinden stand. Der Sozialladen hatte von Anfang an ein ungewöhnliches Konzept. Er ist einerseits ein Second- Hand-Laden, ähnlich den Diakonieläden im Landkreis Biberach und in Ravensburg. Andererseits ist er ein Weltladen, der Fair gehandelte Lebensmittel und Handwerksprodukte anbietet. Der Sozialladen verbindet also den Gedanken von Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit mit dem des Fairen Handels und der Gerechtigkeit für die Produzenten in den Ländern des Südens. Von Anfang an gehörten auch Dienstleistungen (Bügel- und Flickarbeiten) zum Angebot. Ebenso die Möglichkeit zum Gespräch bei einer Tasse Kaffee oder Tee. Dazu kamen nach und nach verschiedene Sammelaktionen (Korken, Briefmarken, Kerzenreste, Handys, Brillen). Damit werden einerseits Arbeitsplätze für behinderte oder sonst in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigte Menschen unterstützt, andererseits dienen diese Sammlungen der Nachhaltigkeit und der Wiederverwertung wertvoller Rohstoffe.
Die Ladenmitarbeiter*innen arbeiten ehrenamtlich und die Gewinne des Ladenbetriebs kommen sozialen und karitativen Projekten überwiegend in Aulendorf zugute.

Wie kam es zu diesem Ladenprojekt, zu dem es bundesweit kaum eine vergleichbare Institution gibt?
Die Initiative ging unter anderem von Frau Trautel Cleß aus, die auch die ökumenische Nachbarschaftshilfe in Aulendorf begründete und viele Jahre im Kirchengemeinderat und dem Seniorenkreis aktiv war. In der Planungsgruppe, die sich 1998 zusammenfand, waren von Anfang an auch Vertreter der katholischen Kirchengemeinde. Der ökumenische Gedanke der Zusammenarbeit evangelischer und katholischer Christen war allen Initiator*innen sehr wichtig. Dies kommt auch im Namen des 1999 gegründeten gemeinnützigen Vereins „Ökumenischer Sozialladen e. V.“ zum Ausdruck.

Doch woher sollte das Startkapital kommen? Über die Ausgabe von „Sozialaktien“ im Wert von 10 bis 100 DM konnte ein Startkapital von 16.000 DM zusammengebracht werden. Dabei handelte es sich nicht um klassische Aktien, sondern um zinslose Darlehen, die zurückgezahlt werden sollten, wenn die Situation des Ladens dies erlaubte. Die evangelische Kirchengemeinde übernahm die offizielle Trägerschaft und eine Ausfallbürgschaft für den Fall des Scheiterns, die katholische Kirchengemeinde die Kaution für die Ladenmiete. Im Jahr 2004 war es soweit: Alle Personen und Institutionen, die den Sozialladen mit dem Kauf einer „Aktie“ unterstützt hatten, wurden zu einem Sommerfest eingeladen. Dabei wurde ihnen das Angebot gemacht, ihre Beiträge zurückzuerhalten. 50 % entschieden sich dafür, das Geld dem Verein zu spenden, die übrigen wurden ausbezahlt. Ein knappes Jahr später konnte der Verein der Pfarrgemeinde St. Martin die geleistete Kaution ablösen und die evangelische Kirchengemeinde von ihrer Verpflichtung zur eventuellen Übernahme eines Abmangels entbinden. Von da an lag die Trägerschaft des Ladens beim Verein.

Verwirrung stiftet von Zeit zu Zeit noch der Name „Sozialladen“. Nicht jedem ist klar, dass der Laden selbstverständlich für alle offen ist.  Auch die Ähnlichkeit zum von der Kolpingfamilie betriebenen Tafelladen „Solisatt“ sorgt manchmal für Verwechslungen. Doch der Name ist bewusst gewählt: Er soll das soziale Engagement zum Ausdruck bringen, das weit über den bloßen Verkauf von Waren hinausgeht.

Dies macht ein Blick in die Vereinssatzung deutlich: Ziele des Vereins sind die Förderung der Jugend-und Altenhilfe, des Umweltschutzes, der Entwicklungszusammenarbeit und die Hilfe für sozial benachteiligte Personen. Diesen Zielen kommt der Verein sowohl durch das inhaltliche Konzept des Ladens, siehe oben, als auch durch Spenden an entsprechende Vereine und Institutionen nach. Z. B.  an Solisatt, St. Vinzenz, Jugendtreff. Außerdem hat er Anteile bei Oikocredit erworben. Oikocredit ist eine Organisation des ökumenischen Weltkirchenrats und die älteste Institution für ethische Geldanlage (gegr. 1975). Sie unterstützt in enger Zusammenarbeit mit ihren Partnern in den Ländern des Südens durch die Vergabe von Krediten an Microfinanzinstitute und Produktionsgenossenschaften, die wirtschaftliche Selbständigkeit benachteiligter Bevölkerungsgruppen und ermöglicht ihnen dadurch ein Leben in Würde.

Wie sieht die jetzige Situation aus? Der Sozialladen hat sich in Aulendorf etabliert und wird von Kund*innen aus Aulendorf und Umgebung ebenso wie von den Patienten der Aulendorfer Kliniken und Gästen gut angenommen. Die angebotene Produktpalette fair gehandelter Produkte hat sich seit den Anfangsjahren deutlich erweitert. Außerdem wurden die Erzeugnisse des Nudelhauses Trossingen aufgenommen, das Menschen in Krisensituationen und solchen mit Wettbewerbsnachteilen einen geschützten Arbeitsplatz bietet. Aufwändig gestaltete Taschen von einem Nähprojekt mit Flüchtlingen aus Afghanistan gehören auch zum Angebot. Für den Näh- und Bügelservice ist ein syrischer Schneider tätig, der seit 2015 in Aulendorf lebt. Der Verein hat sich wieder in die Trägerschaft der ev. Thomaskirchengemeinde begeben, ist aber weiterhin wirtschaftlich selbst verantwortlich. Er hat derzeit 25 Mitglieder. 22 Mitarbeiter*innen sind derzeit ehrenamtlich im und für den Laden tätig. Dabei gibt es personelle Überschneidungen.

Wenn Sie das Sozialladenprojekt unterstützen wollen, indem Sie dem Verein beitreten oder im Sozialladen mitarbeiten, sind Sie herzlich willkommen.  Besonders im Verkauf werden dringend neue ehrenamtliche Mitarbeiter*innen gesucht. Bei Interesse melden Sie sich bitte im Laden.

Sozialladen Aulendorf, Hauptstr. 59, 88326 Aulendorf, offen Mo-Fr 9-12 und 15-18 Uhr, Sa 9-12 Uhr

Christa Magauer